Am 15. Juni drehte sich im Campus Sursee alles ums Thema «Hoffnung in Unsicherheiten, Angst überwinden und reifer werden». 260 Personen setzten sich an der Fachtagung mit den theologischen, psychologischen und gesellschaftlichen Aspekten dazu auseinander. Eingeladen hatten die SEA-Arbeitsgemeinschaft Glaube und Behinderung, VBG und BCB.

 

«Die Theologie betrachtet Angst im Licht des christlichen Glaubens, um den Umgang damit zu verbessern und wo nötig zu korrigieren». Der Theologe Andreas Loos, Dozent am Theologischen Seminar St. Chrischona, führte in acht Schritten aus, welche positiven und negativen Seiten der Angst in der Bibel ersichtlich sind. «Gott teilt in freier Liebe die Angst der Menschen, indem er sie an ihrer Seite durchlebt». Angst empfinden zu können sei eine Gabe Gottes, die er den Menschen zumute, um mit ihr Leben zu gestalten. Als Gegenmittel empfahl er das Lachen und erzählte dazu einen Witz: «Josef von Arimathäa wurde von Nikodemus gebeten, sein Grab für den toten Jesus zur Verfügung zu stellen. Josef wollte nicht recht, da beruhigte ihn Nikodemus: «Kein Stress, Mann, es ist nur für ein Wochenende!»

 

Beziehung überwindet Angst
Der Psychiater Roland Stettler hielt fest, dass Angststörungen die häufigsten psychischen Erkrankungen  seien. «Ein Drittel der Menschen sind im Lauf ihres Lebens davon betroffen». Allerdings werde nur die Hälfte diagnostiziert. Einerseits, weil die körperlichen Symptome nicht als Zeichen einer Angststörung erkannt oder weil Fachpersonen nicht früh genug aufgesucht würden. Es seien immer verschiedene Faktoren, welche die Störung verursachten.  «Wir müssen lernen, innere Stärke zu gewinnen, um auf gesunde Weise mit Stress und Angst umgehen zu können». Beziehungen zu Gott und Menschen und ein aus innerer Überzeugung gelebter Glaube helfen dabei. «Sorge gut für deine Seele», empfahl er.

 

Mitteleuropa sieht schwarz
«Die Schweiz ist das beste Land, um darin geboren zu werden», zeigen Studien auf. Andreas Walker, Zukunftsforscher und Leiter der VBG, erklärte dazu, dass die positive oder negative Einschätzung der Zukunft oder des Alters die Lebensqualität und –Dauer ebenso beeinflusse. Daher lobt er den Ansatz des Lehrplans 21, der auf das gemeinsame Lösen von Problemen statt auf Erkennen von Mängeln setze. Schadensversicherung sei immer noch ein Wachstumsmarkt. «Für nichts geben Schweizer mehr Geld aus als für Versicherungen», erläuterte er. Forscher und Medien setzten den Fokus bisher vor allem auf negative Anzeichen für die Zukunft Und schlechte Nachrichten blieben viel besser in Erinnerung als gute. «Dabei ist die Hoffnung doch eine christliche Tugend!» Gott nehme unsere Ängste ernst, aber mit ihm seien sie überwindbar. «Haben wir Angst vor der Angst oder Hoffnung auf Hoffnung?» fragte er das Publikum.

 

Acht Vertiefungsseminare
Die Fachtagung bot nebst den Hauptreferaten Workshops zu folgenden Themen an: «Christliche Meditation» von Hans-Martin Kromer, «Wenn Behinderung das Leben ins Wanken bringt» von Christoph Marti, «Fremde unter uns» von Paul Mori, «Hoffnung ist Kraft zum Leben» von Monika Riwar, «Palliativ Care» von Nelly Simmen, «Ängste bei Kindern, Imponierverhalten bei Jugendlichen» von Hans-Rudolf Stucki und «Was uns Hoffnungs-, Angst- und Sorgenbarometer sagen» von Andreas Walker.

 

Bericht von Mirjam Fisch-Köhler, ideaSpektrum

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