Glauben vermitteln mit KI?

Mich begeistert es, wenn Kinder und Jugendliche Fragen an den Glauben und an Gott äussern. Wenn es uns in der Kinder- und Jugendarbeit gelingt, dass die Jungen Fragen stellen, so beginnt damit die Bewegung auf Gott hin. Es stellt sich also die Frage, wie diese Fragen auftauchen, was wir dazu beitragen können, wie wir die Suche nach Antworten begleiten – und welche Rolle dabei Künstliche Intelligenz spielt.

Damit Kinder und Jugendliche auf Fragen kommen, müssen sie etwas wissen, etwas erfahren. Um unabhängiger zu werden von der Erzählung, war es Luthers Bestrebung, mit der Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache und der Alphabetisierung des Volkes zum Selberdenken hinzuführen. Für diese persönliche Auseinandersetzung sollen wir uns auch heute in den Gemeinden stark machen und die zukünftige Generation gewinnen.

Wir wollen mit unserer religiösen Bildung Begeisterung und Faszination wecken: Der Glaube soll erlebt und Gott erfahren werden können. Es geht darum, dass Überzeugungen wachsen können und Wurzeln kriegen. Mit der Bibel schenkt Gott uns Zeugnisse dieser Auseinandersetzung: Menschen, die in Freud und Leid im Dialog mit Gott sind. Da ist für mich Künstliche Intelligenz nicht die erste Wahl – obwohl mit diversen Tools potente Antwortgeber zur Verfügung stehen.

Fragen in der Gemeinschaft klären
Die Frage «Warum glaubst du trotz deiner Sorgen immer noch an Gott?» stelle ich einem Gegenüber, das ebenso empfinden kann wie ich und mit der Endlichkeit auf dieser Welt leben muss. Dass KI den Ideenpool in der Vorbereitung anreichern kann, habe ich auch schon selbst erfahren. Trotzdem scheinen mir die persönliche Auseinandersetzung und das eigene Nachdenken über einen Bibeltext für das authentische Vermitteln zentral, auch wenn es anstrengend ist.

Nicht nur «richtige Lehre» ist wichtig, sondern auch der Bezug der Menschen und ihr Weg zu Gott. Ihr Zeugnis nährt neben allen rationalen Klarheiten ebenfalls den Glauben. Glaubensfragen klären wir in der Gemeinschaft. Kinder sollen vertraut werden mit Gott und den Formen, die wir pflegen. Wir wollen die Dialog- und Urteilsfähigkeit im Glauben fördern.

Mit KI nimmt die Bedeutung der Frage zu, was echt ist und was unecht. Damit geht die Frage nach dem Einfluss auf die Willensfreiheit einher. Wovon lassen wir uns leiten? Welche Quellen nutzen wir? Wie leben wir mit Ungeklärtem, mit Wissens- und Verstehenslücken? Tendenziell wird KI über die eigenen Möglichkeiten und Stärken gestellt. Wir erfahren, dass KI besonders bei grossen Datenmengen sehr leistungsfähig ist. Allwissenheit ist eine Eigenschaft, die wir eigentlich Gott zusprechen. KI scheint dies immer mehr zugeschrieben zu bekommen. Dabei ist die Bibel voll von Warnungen vor diesem Bestreben, zum Beispiel beim Turmbau zu Babel.

Auch Unverständliches gehört dazu
Glaube trägt nicht erst dann, wenn alle Fragen geklärt sind. Mehr Wissen und mehr Möglichkeiten allein sollten nicht als Mass für die Vertrauenswürdigkeit stehen. Wir sollten den Kindern und Jugendlichen mit der religiösen Bildung in unseren Kirchen einen gesunden und tragfähigen Zugang ermöglichen. Das schliesst den Umgang mit Unverständlichem ein. Es ist ein grossartiges Wunder, dass der Schöpfer dieser Welt sich uns Menschen zeigen will. Und es gehört zur Schönheit des Glaubens dazu, dass wir im Hier und Jetzt noch mit Mysterien leben dürfen.

Rico Bossard ist Mitarbeiter bei der VBG im Ressort Pädagogik. Er ist Primarlehrer, verheiratet und Vater dreier Kinder. Wie Kinder lernen und verstehen, ist für ihn eine grosse Faszination, ebenso die Frage, was wir als Erwachsene beitragen können, so dass der Glaube der Kinder sich entwickeln kann. Er engagiert sich in seiner Gemeinde im Kinderprogramm.

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