Künstliche Intelligenz – und was sie die Kirche angeht

Als Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet man Computerprogramme, die nicht dazu programmiert sind, eine Aufgabe anhand einer festen Logik zu lösen, sondern durch Training selbst den besten Lösungsweg finden. Dabei werden statistische Methoden verwendet, um Muster zu erkennen, die aus Eingabedaten sinnvolle Ergebnisse generieren. Eingabedaten können dabei alles sein, was ein Computer digital speichern kann. So können Messdaten nach besonderen Ereignissen durchsucht, Bilder analysiert oder Ähnlichkeiten in Tonaufnahmen erkannt werden.

Durch heute verfügbare Rechenleistungen und Techniken können mit KI-Algorithmen auch ganze Texte generiert werden. Mithilfe von sehr umfassenden Trainingsdaten berechnen sie Wort für Wort eine plausible Antwort auf eine Frage. Mit diesem «Textverständnis» entsteht ein interaktiver Austausch mit einer KI-Anwendung. Neben schriftlichen Antworten können aus Texten mit speziellen KI-Modellen auch Bilder erstellt werden.

Moderne KI-Modelle benötigen grosse Rechenkapazitäten zum Training. Auf dem Weg zu immer besseren Ergebnissen liefern sich Konzerne ein Wettrennen um die leistungsfähigsten KI-Lösungen. Dabei ist nicht transparent, woher die Trainingsdaten kommen und welche «Grundbefehle» dem Modell mitgegeben werden. Auch bei verblüffend sprachgewandter Ausdrucksweise sind der Wahrheitsgehalt und die Ausgeglichenheit der Antworten nicht immer gegeben. Eine qualifizierte Bewertung ist notwendig.

Warum ist die Diskussion über KI für die Kirche notwendig?

Kirchen und christliche Gemeinschaften bestehen aus einzelnen Menschen, die in ihrem alltäglichen Leben immer mehr mit KI-Anwendungen zu tun haben. Deshalb betrifft ihre Nutzung auch das Zusammenleben in der Gemeinschaft. Eine Auseinandersetzung mit den Anwendungsmöglichkeiten und dem verantwortungsvollen und nützlichen Umgang damit ist deshalb wichtig. Die Kirche hat hier eine besondere Verantwortung, weil sie nicht nur den Nutzen für sich, sondern auch ethische Aspekte in den Blick nehmen muss. Auch die Auswirkung der Nutzung von KI auf die Nutzer selbst sollte sie aus geistlicher Sicht bewerten.

KI-Anwendungen können Leitende von Gemeinden und Werken, Pastoren und Mitarbeiter sowie jedes Gemeindemitglied darin unterstützen, Gottes Auftrag für diese Welt auszuführen. KI-Nutzung kann aber im Konflikt mit der Berufung von Menschen als Nachfolger Christi stehen. Es braucht dazu Bewertung und Orientierung.

Was sind die Chancen und Herausforderungen von KI im kirchlichen Kontext?

Durch KI können umfangreiche Inhalte erzeugt werden, ohne umfassenden Einfluss auf den Prozess zu haben. Dies bringt eine hohe Verantwortung mit sich. Wer KI-generierte Inhalte nutzt oder weiterverbreitet, muss in der Lage sein, ihre Verlässlichkeit zu beurteilen. Es braucht menschliche Intelligenz, um Künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortlich zu nutzen.

KI-Anwendungen bieten die Chance, als interaktiver Assistent zu dienen, der im Gegensatz zu einem Lexikon oder selbst einer Online-Suchmaschine nicht nur ein breites Wissen gezielt und im Fragenzusammenhang wiedergibt. So kann ein Dialog mit einer KI zum Beispiel die Quellenrecherche in der Predigtvorbereitung, die Formulierung von Gebeten, Liedtexten und Gemeinderundbriefen unterstützen.

Dies beinhaltet die Gefahr, die eigene Kreativität zu verlieren. Wenn der «Muskel», eigene Erkenntnisse zu formulieren, nicht mehr trainiert wird, entsteht mit der Zeit eine KI-Abhängigkeit in den eigenen Aufgaben.

Welche Auswirkungen hat KI in der Kirche?

«Alles von überall auf einmal!» Die Auswirkungen von KI spüren wir täglich, ob durch die Nutzung von digitalen Angeboten oder durch Personen, die KI genutzt haben. KI fordert heraus. Sie ist Chance und Risiko zugleich. KI liefert alles frei Haus: kompakt oder detailliert, lokal oder global, als Information oder in endlosen widersprüchlichen Bewertungen. Was nehmen wir davon auf? Was glauben wir? Doch KI kann uns auch helfen, zu sortieren, Prioritäten zu setzen und Widersprüche aufzulösen.

Über die Auswirkungen dieses «Alles von überall auf einmal» muss sich auch die Kirche bewusst sein. Es hat Einfluss auf die Meinungsbildung und die Leitung. Aufgrund unterschiedlicher Nutzung der KI-Anwendungen – wie zum Beispiel die Wahl des KI-Anbieters oder des KI-Tools – können die generierten Inhalte recht unterschiedlich sein. Im Umgang mit KI gilt es zu lernen, verschiedene Meinungen und Widersprüche richtig einzuordnen, Möglichkeiten zu sehen und Grenzen zu akzeptieren.

Erfahrungen austauschen

Die Kirche hat unverrückbare Grundlagen mit Jesus Christus im Zentrum. Diese zentralen Aussagen gilt es zu priorisieren und zu teilen. «Alles von überall auf einmal» trifft sie unvorbereitet. Kirchen müssen neu von- und miteinander lernen im Umgang mit der KI-Technologie, zum Beispiel das Prompten (siehe auch Seite 26) und das Generieren von Inhalten.

Für den Erfahrungsaustausch braucht es alle Mitglieder und alle Verantwortlichen. Die christliche Gemeinschaft hat das Potenzial, den Herausforderungen zu begegnen, sich für diese Zeit zu qualifizieren und auch KI intelligent und zielgerichtet zu nutzen. Sie muss es wollen und organisieren!

KI bietet die Möglichkeit, Ressourcen gemeinsam zu nutzen, im Sinn eines Ökosystems, in dem sich die Akteure gegenseitig unterstützen und befruchten. Die interne und externe Dialogfähigkeit wird sich dabei verbessern.

Verantwortung wahrnehmen

Verantwortung zu übernehmen, ist der Schlüssel für eine intelligente KI-Nutzung:

  • als Nutzer bei der Recherche, bei der Auswahl von Quellen und dem Generieren von Inhalten;
  • als Leitung bei der Gewinnung von Einsichten, bei der Qualifizierung von Mitarbeitern und Mitgliedern sowie in der Dialogförderung.

 

Dialogfähigkeit stärken

Die intelligente Anwendung von KI kann die Ausdrucksfähigkeit verbessern und damit auch die Dialogfähigkeit erhöhen:

  • beim Durchdringen von Komplexität;
  • beim Suchen und Finden von Einsichten und einem gemeinsamen Verständnis;
  • in der Kommunikation von Botschaften, digital und persönlich.

Jürgen Rintz wohnt in der Nähe von Winterthur und war Unternehmer und Business Consultant. Gemeinsam mit seiner Frau hat er zwei Kinder und drei Enkelkinder. Er ist verantwortlich für den Think Tank Cornerstone.

Friedhelm Wolf wohnt in Baden-Württemberg und arbeitet als Software-Architekt bei einer deutschen IT-Beratungsfirma. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Kindern gehört er zu einer Gemeinde des Christusbundes und ist dort auch Teil des Leitungskreises.

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