Pro – Kontra: Datenschutz- und KI-Gesetze verhindern Innovationen in der Kirche!

Sind KI-Gesetze eine Fortschrittsbremse und ein Wettbewerbsnachteil – oder doch eher eine Grundlage für Vertrauen und verantwortungsvolles Handeln? Matthias Krön und Simeon Stiefel, die sich beide mit der Regulierung von Künstlicher Intelligenz beschäftigen, kommen aus einer christlichen Perspektive zu unterschiedlichen Schlüssen.

Pro

KI-Gesetze wie den «EU AI Act» betrachte ich als erhebliche Belastung, insbesondere für innovative Christen. Ich sehe die Gefahr, dass der Act Europas KI-Entwicklung und Skalierung im globalen Wettbewerb, vor allem gegenüber den USA und China, verlangsamt. Ich kritisiere, dass die Gesetzgebung es versäumt, divergentes (ideengenerierendes) und konvergentes (bewertendes) Denken angemessen zu trennen. Ich glaube, als Ebenbild Gottes sind wir als kreative Wesen geschaffen, doch ich bin überzeugt, dass Kreativität und Innovation einen Raum brauchen, der – zumindest in einer frühen Phase – frei von vorschneller Bewertung ist.

Ich sehe die grundsätzliche Regulierung einer neuen Technologie als Fortschrittshemmnis, denn konkret zielt der «EU AI Act» meiner Ansicht nach auf die Regulierung der Basistechnologie und der Anwender, anstatt sich auf konkrete, risikoreiche Anwendungsfälle zu konzentrieren. Ich befürchte, dass die Regulierung der Anwender viele christliche Entwickler angesichts potenzieller Strafen und des hohen Compliance-Aufwands daran hindern dürfte, überhaupt ins KI-Feld einzusteigen. Ich befürchte ausserdem eine EU-interne «David gegen Goliath»-Situation, da nur grössere Unternehmen die notwendige Beratung und Compliance stemmen können.

Zusammenfassend scheint mir die aktuelle Gesetzgebung eher von Angst als von Besonnenheit geprägt zu sein. Stattdessen wünsche ich mir mehr Selbstbewusstsein und Gelassenheit, im Sinne von 2. Timotheus 1,7.

Matthias Krön ist studierter Agraringenieur, zuletzt im Vertrieb bei Google, davor Microsoft. Seit 2,5 Jahren ist er selbstständig mit eigener Beratungsfirma und seit Juni diesen Jahres Podcaster zu KI-Trends, Tool & Agenten. Er hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit seiner Frau in Hamburg.

 

Kontra

Aus christlicher Perspektive sind Datenschutz- und KI-Gesetze keineswegs als Innovationsbremse zu verstehen, sondern als Wegbereiter für eine verantwortungsvolle Technologiegestaltung. Indem die Gesetze die Gottesebenbildlichkeit jedes Menschen wahren, verhindern sie, dass persönliche Daten zu blossen Ressourcen abgewertet werden. Und sie fordern ein dialogisches Miteinander, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht.

Gleichzeitig schaffen klare Regeln für Datenerhebung und KI-Anwendungen genau das Vertrauen, das für digitale Seelsorge, Online-Communities und Lernplattformen unerlässlich ist: Transparenz und Freiwilligkeit bilden hier das Fundament nachhaltiger Beziehungen.

Denn Freiheit im christlichen Sinn bedeutet nicht Gesetzlosigkeit, sondern verantwortetes Handeln. Und Innovation ohne ethische Leitplanken läuft Gefahr, sich selbst zu überholen oder irreparablen Schaden anzurichten. KI-Gesetze verpflichten Entwickler und Anwender zur Verantwortungsübernahme, damit jede neue Entwicklung tatsächlich dem Menschen und der Gemeinschaft dient und damit christliche Akteure frei agieren können, weil sie wissen, welche Spielräume bestehen. Ich bin überzeugt, dass KI-Gesetze nicht nur ein bürokratisches Hindernis, sondern Teil von Gottes Fürsorge sind, um Strukturen zu schaffen, in denen innovative Kirche und Glaube gedeihen können.

Simeon Stiefel ist seit mehr als 15 Jahren bei verschiedenen Kirchen, Gemeinden und Non-Profit-Organisationen engagiert. In der Arbeit und durch das Theologiestudium hat er sich ein breites Know-how zu ICT, Fundraising, Marketing, Kommunikation und christlicher Ethik angeeignet, das nun als zertifizierter KI-Reformberater neu an Bedeutung gewinnt.

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