Engagiert für alle: Seelsorge in der Schweizer Armee, auch mit freikirchlicher Beteiligung

Zum zweiten Mal fand in Bern ein Fachtag für Armeeseelsorgerinnen und Armeeseelsorger mit freikirchlichem Hintergrund statt. Rund 50 Teilnehmende setzten sich mit ihrer Rolle, ihren Erfahrungen und den wachsenden Herausforderungen im militärischen Alltag auseinander. Deutlich wurde: Damit Armeeseelsorge «funktioniert», braucht es vor allem vertrauensvolle Beziehungsarbeit – unabhängig von Konfession, Herkunft oder persönlicher Prägung. 

Seit sechs Jahren arbeiten der Dachverband Freikirchen.ch, die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA), das Réseau évangélique Suisse (RES) sowie zahlreiche freikirchliche Gemeindeverbände offiziell mit der Armeeseelsorge der Schweizer Armee zusammen. Begrüsst wurden die Teilnehmenden am 13. Januar von Beat Ungricht, Präsident der SEA und selbst Armeeseelsorger.  

«Armeeseelsorge ist für alle da» 

Ein zentrales Referat hielt Samuel Schmid, Chef der Armeeseelsorge. Er unterstrich den klaren Auftrag des Dienstes: «Armeeseelsorge ist für alle da – unabhängig vom religiösen Hintergrund. Wer diesen Auftrag übernimmt, begleitet Menschen offen, respektvoll und ohne Agenda.» 

Schmid würdigte die hohe Motivation der Armeeseelsorgerinnen und -seelsorger mit freikirchlichem Hintergrund. «Es ist wichtig, präsent zu sein und sich konsequent am Auftrag und an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren.» Gefragt sei keine punktuelle «Helikopter-Seelsorge», sondern verlässliche Präsenz im Alltag: «Wer mitmarschiert, zuhört und bleibt, gewinnt Vertrauen.» Zugleich brauche es Selbstreflexion: «Ein klares Rollenverständnis kann Türen öffnen – oder schliessen. Entscheidend ist, wie wir unsere Rolle leben.» Die eigene spirituelle Verankerung sei dabei kein Makel, so Schmid, verlange aber Weisheit, Zurückhaltung und situationsgerechte Kommunikation. 

Gespräche führen – auch wenn es schwierig wird 

Peter Schneeberger, Präsident von Freikirchen.ch, sprach über den professionellen Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen wie psychischen Krisen, Überforderung oder Konflikten. Zentrale Voraussetzung sei eine sichere Gesprächsatmosphäre, geprägt von Respekt, Klarheit und Vertrauen. Christian Haslebacher, Vizepräsident von Freikirchen.ch, betonte ergänzend, dass nicht religiöse Sprache, sondern Beziehungskompetenz im Vordergrund stehe – mit einem besonderen Fokus auf Würde und Versöhnung. 

Präsenz im Einsatzalltag 

Mehrere Armeeseelsorger berichteten aus ihrer Praxis – von Märschen, Waffenplätzen und Stabsdiensten. Besonders eindrücklich waren die Berichte einer Pastorendelegation über ihre persönliche Teilnahme an einem Prayer Breakfast in Kiew, welche sie allerdings nicht als Armeeseelsorger sondern als Privatpersonen unternommen hatten. Die unmittelbare Nähe zum Kriegsgeschehen machte deutlich, wie wichtig seelsorgerliche Begleitung in Extremsituationen ist. Konfessionelle Unterschiede treten dabei in den Hintergrund – entscheidend sind Nähe, Vertrauen und Ermutigung. Auch interreligiöse Sensibilität wurde thematisiert, etwa bei der Unterstützung muslimischer Soldaten während des Ramadans – ein Beispiel für gelebtes Miteinander im militärischen Alltag. 

Hoffnung vermitteln in unsicheren Zeiten 

Abschliessend ging es um die Auswirkungen globaler Krisen auf die Armeeseelsorge. Samuel Schmid, Chef Armeeseelsorge mahnte zur Besonnenheit: «Wir müssen aufmerksam bleiben, dürfen uns aber nicht lähmen lassen. Politische Stellungnahmen oder konfessionelle Einseitigkeit gehören nicht zu unserem Auftrag – Hoffnung und Orientierung schon.» 

Der Fachtag endete mit einer gemeinsamen Erkenntnis: Armeeseelsorge bedeutet, mitten im System Armee Mensch zu bleiben – präsent, ansprechbar und professionell und aus den Werten des Evangeliums zu leben. 

Kontakte
Peter Schneeberger 
Präsident Freikirchen.ch
Tel. 079 272 96 46
peter.schneeberger@freikirchen.ch  

Beat Ungricht 
Präsident SEA (Deutschschweiz) 
Tel. 078 717 88 27 
bungricht@each.ch  

Christian Kuhn 
Direktor RES (Westschweiz) 
Tel. 079 343 59 86 
c.kuhn@evangelique.ch  


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