In der Kirche gesund werden?

Pater Philipp Steiner ist in Brunnen SZ aufgewachsen und lebt seit 2007 im Kloster Einsiedeln. In der 934 gegründeten Benediktinerabtei mit aktuell 39 Mönchen ist er verantwortlich für das Wallfahrtsbüro und die Klosterkirche und wirkt als Seelsorger.

«Wir alle spüren durch unser Gewissen, wo wir auf dem Holzweg sind. Die Umkehr will uns wieder auf die Spur Jesu bringen.»

Unsere westliche Gesellschaft betrachtet Gesundheit meist aus medizinischer oder psychologischer Perspektive. Religionen bringen mit der Spiritualität eine weitere Dimension ins Spiel. Im Christentum werden Schuld und Sünde als Teil des Problems beschrieben und von Gott Heilung, Erlösung und Vergebung zugesprochen. Pater Philipp aus dem Kloster Einsiedeln erklärt, welche Impulse die spirituelle Dimension für den Umgang mit Krankheit und Gesundheit bietet.

Wann haben Sie das letzte Mal gebeichtet?

Vor elf Tagen. Ich bemühe mich um einen regelmässigen Rhythmus von ca. vier Wochen.

Mit Begriffen wie «Beichte», «Reue» oder «Sünde» können Menschen heute nicht mehr viel anfangen. Wie übersetzen Sie ihnen diesen Glaubensinhalt (positiv)?

Ich bin nicht jemand, der diese Begriffe «weichspülen» will. Sünde als bewusstes Verfehlen des Zieles, nämlich der Liebe gegenüber Gott, dem Nächsten und mir selbst, und die Reue als Bewusstwerdung und Eingestehen des Fehlers sind existenzielle Erfahrungen, die drastisch sind. Die Beichte als vertrauensvolles Bekenntnis der eigenen Schuldhaftigkeit vor einem barmherzigen Gott ist die Befreiung aus dieser Negativspirale. Im katholischen Verständnis ist die Beichte die sakramentale Feier der Versöhnung, sie ist ein Sieg der göttlichen Gnade angesichts der menschlichen Schwäche.

Leben Menschen, die regelmässig beichten, gesünder?

Ich erlebe in meinem Dienst als Beichtvater beides: Eine Beichtpraxis, die befreit und Heilung schenkt, und eine Beichtpraxis, die ängstlich macht. Im Idealfall ist eine Beichte ein bewusstes Ja zum Leben mit Gott, ein Leben aus der Kraft der Vergebung. Sich von Gott Vergebung und bedingungslose Annahme zusprechen zu lassen, schenkt eine enorme Kraft. Es gibt aber auch skrupelhafte Menschen, denen eine (zu) häufige Beichte keine Erfahrung von Erlösung schenkt. Allein von der Beichte lässt sich nicht auf eine allgemeine Gesundheit schliessen. Aber bestimmt hat ein ausgeglichenes Seelenleben eine positive Auswirkung auf den ganzen Menschen.

Im «Vater unser» beten wir «erlöse uns von dem Bösen». Was ist das Böse im christlichen Weltbild?

Das Böse ist das bewusste Nein zu Gott und seinem Heilswillen für uns Menschen. Ich persönlich kämpfe nicht primär gegen das Böse an, sondern will – mit Gottes Hilfe – das Gute in meinem Leben und im Leben meiner Mitmenschen stärken. Das Böse hat nur dort Kraft, wo die Liebe schwächelt.

In der Bibel wird Heilung immer wieder mit Umkehr in Verbindung gebracht (z.B. 2. Chronik 7,14). Wie erklären Sie diesen Zusammenhang?

Umkehr geschieht dort, wo man erkennen darf, dass der eingeschlagene Weg nicht zum Leben, zur Freiheit und zur Liebe führt. Wenn wir umkehren, schenkt Gott Heilung. Sie ist seine Gabe an uns. Das gilt für einzelne, aber auch für ein ganzes Volk, wie die genannte Schriftstelle nahelegt.

Wie könnte der Aspekt der Umkehr wieder positiv in unser alltägliches Glaubensleben integriert werden?

Mut zur Praxis! Wir alle spüren durch unser Gewissen, wo wir auf dem Holzweg sind. Die Umkehr will uns wieder auf die Spur Jesu bringen. Achten wir auf diese Gnadenmomente und danken wir dafür. Und wenn mich Gottes Geist wieder auf den richtigen Weg führt, darf ich das feiern – auch im Sakrament der Versöhnung, der Beichte.

Andi Bachmann-Roth ist Co-Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA.

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