Einheit ist entscheidend für Wirksamkeit

Leitende aus verschiedenen Regionen und Ländern erfuhren am Impulstag der SEA-Arbeitsgemeinschaft «gospel ecosystem» mit Alan Platt, wie lokale Netzwerke verändernde Kraft entwickeln können. Der Referent, Autor, Leiter des internationalen «City Changers Movement (CCM)» und Mitgründer der globalen «Doxa Deo Church»-Gemeindefamilie überzeugte mit einer ganzheitlichen missionalen Theologie ebenso wie mit Erfahrungsberichten direkt aus dem Alltag. 

Einheit ist entscheidend, ob unsere Mission als Kirche wirksam ist, betonte Alan Platt einleitend. Einheit ist wie eine Brücke – die Tragfähigkeit dieser Brücke entscheidet, wie viel Kapazität darüber abgewickelt werden kann. Einheit ist etwas Kraftvolles, aber macht unser Leben nicht immer komfortabler. Wir sind aufgerufen einander zu lieben, zu ertragen und zu vergeben. Anhand eines Beispiels aus Florida zeigte Platt, wie aus Zerbruch und Konkurrenz vertrauensvolle Herzensbeziehungen unter Leitenden wuchsen. Als die Region von einem Attentat erschüttert wurde, konnte man den Menschen gemeinsam dienen. Dieses Miteinander entwickelte eine starke Ausstrahlung.

Gott liebt unsere Städte und Dörfer

Damit hielt Alan Platt gleich die Ausrichtung der kirchlichen Mission fest. Kolosser 1,15-20 macht nach ihm deutlich, dass es Gott nicht nur um die Kirche geht. Er will alles mit sich versöhnen. Gott liebt diese Welt, unsere Städte und Dörfer. Genauso kann es uns auch nicht nur darum gehen, Kirchen zu gründen, sondern auch darum, gemeinsam unsere Region zu umarmen. Haben wir eine Theologie, welche unsere Städte und Dörfer miteinschliesst? Interessieren wir uns für das, was in unserem Quartier abgeht? Zu sehen sei das daran, wofür man in Kirchen betet, baut oder glaubt.

Gott baut ein alternatives Königreich, betonte der Referent. Dementsprechend muss auch unser Wirken in der Gesellschaft sich von jenem der Welt unterscheiden. Nicht Triumphalismus und Herrschaft, sondern Selbsthingabe und eine dienende Haltung sollen uns auszeichnen. Ein Hinweis, der angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen umso dringlicher erscheint.

Mission passiert im Alltag

«Wir müssen helfen, damit der Sonntagsglaube in das Montagsleben integriert werden kann», betonte Alan Platt. Denn die zentralen missionalen Akteure sind nicht Pastorinnen und Pastoren, sondern alle Christen – Pflegefachleute, Mütter, Bankangestellte, Bauarbeiter oder Politikerinnen –, die in ihrem Beruf oder Tätigkeitsbereich die Welt mitgestalten. Sie bringen Glaube, Hoffnung und Liebe in ihre Familien, in die Arbeitswelt und die Gesellschaft.

Bastian Hagenlocher, der das deutsche Stadtreformer-Netzwerk leitet, erzählte, wie Pastoren dazu beitragen können, damit aus Kirchgängern Stadtgestalter werden können. Sie werden so zunehmend zu Befähigern, die helfen, den Dualismus zwischen einem Sonntagsglauben und dem Montagsleben zu überwinden. Entscheidend, so Hagenlocher, sei unter anderem unsere Sprache: Wie nennen wir die Leute? Sind sie einfach Mitglieder oder verstehen sie sich als relevante Akteure? Was wird in unseren Kirchen gefeiert? Welche Storys erzählen wir am Sonntag? Geschichten prägen Kultur. Und so ermutigte er, Menschen vermehrt zu ihrem Alltagsleben, ihren Herausforderungen und ihrem Auftrag zu befragen.

Diese Entwicklung ist kein Programm, das wir schnell importieren können, wurde verschiedentlich betont. Vielmehr handelt es sich um einen Kulturveränderungsprozess, der Zeit braucht und sich entwickeln kann, wenn man verbindlich miteinander unterwegs ist. Die Versuchung, Veränderung «auf die Schnelle» zu bewirken, kann dabei gerade kontraproduktiv sein, weil man damit Widerstand provoziert. Hilfreich ist zudem das Entwickeln einer gemeinsamen Sprache und Vision. Dazu haben das City Changer- wie auch das Stadtreformer-Netzwerk hilfreiche Unterlagen erarbeitet, die auch im Umfeld von «gospel ecosystem» und der Evangelischen Allianz vermehrt Einzug halten werden.

Wir haben die schöne Aufgabe, Menschen in unseren Kirchen auszurüsten und fit zu machen, dass sie am Montag als «Stadtgestalter» leben können. Wir dürfen ihnen mit gesunder Theologie, Ermutigung und Jüngerschaft helfen, den «Execution Gap», also was beim Umsetzen ihrer Berufung im Weg steht, zu überwinden.

Praxisbeispiele in der Schweiz

Mathias Zaugg aus Biel sowie Simon Müller und Martin Stoessel aus Winterthur berichteten von den Entwicklungen in ihrer lokalen Allianz. Auch hier wurde der Wert von Herzensbeziehungen spürbar. Das Entwickeln einer gemeinsamen Vision bedingt Vertrauen. In beiden Regionen konnten kleine Anstellungen für Netzwerker realisiert werden. Damit steht Zeit für Beziehungspflege – etwa für persönliche Treffen oder gemeinsames Kaffeetrinken – zur Verfügung, was für ein echtes Miteinander entscheidend ist. Gemeinsame Erfahrungen, etwa durch Studienreisen, die von «gospel ecosystem» angeboten wurden, waren weitere entscheidende Impulsgeber. Es wurde aber auch sichtbar, wie entscheidend der lokale Kontext ist. Viele Konzepte lassen sich nicht 1:1 übertragen. Es braucht einen Prozess vor Ort, eine Gemeinschaft von Verantwortungsträgern, die bereit sind, gemeinsam zu hören und zu lernen.

Von Ego zu Eco

Abschliessend zeigte Alan Platt, wie Kirchen vor Ort gemeinsam eine Strategie für ihre Region entwickeln können. Dabei führte er acht Ebenen aus, in denen es ein Umdenken, eine Neuorientierung am Reich Gottes (Metanoia) braucht. So sollen wir unter anderem von einer Kirchenfokussierung zu einer Missionsfokussierung gelangen. Pastoren dürfen sich nicht nur als Leitende von Kirchen sehen, sondern auch als geistliche Leiter ihrer Region. Und von einem sich positionierenden Gegeneinander dürfen wir dahin kommen, einander die Hände zu reichen: von einem Ego-System zu einem sich gegenseitig belebenden Eco-System.

Was noch kommt

Michael Girgis, der unter anderem als «Mission Facilitator» bei der AEM Schweiz arbeitet, zeigte zum Schluss auf, welche weiteren konkreten Schritte folgen werden: Mit einer Learning Community, verschiedenen Netzwerk- und Weiterbildungstreffen sowie Studienreisen können sich Interessierte weiter ausrüsten lassen, um transformierende Netzwerke aufzubauen. Und nicht zuletzt soll das Gelernte mit der Bewegung «Kirche für Andere» eine konkrete und heilsame Wirkung entfalten. Alan Platt wird am 11. November 2026 für einen Weiterbildungstag ein weiteres Mal in der Schweiz sein.

Bericht: Andi Bachmann

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