Delegiertenversammlung 2026: Gemittet auf Kurs bleiben

Die alle drei bis vier Jahre gemeinsam durchgeführte Delegiertenversammlung der SEA (Deutschschweiz) und des RES (Westschweiz) vereinte rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Murten. Viviane Krucker-Baud und Christian Kuhn führten zweisprachig durch das Programm. (Bild: Maksym Tkach / SEA)

Er nahm kein Blatt vor den Mund, der Referent an der Delegiertenversammlung der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA-RES in Murten: Dr. Roland Hardmeier analysierte schonungslos und zugleich respektvoll die Situation des Christentums in der westlichen Welt. Vor allem aber zeigte er einen «Weg der Mitte» zwischen Fundamentalismus und progressivem Relativismus auf – ein aus seiner Sicht anspruchsvoller, aber der einzige zukunftsweisende Weg. Höhepunkt des geschäftlichen Teils war die Wahl von Judith Dummermuth und Daniel Rath in den Vorstand.

«Was bedeutet es in der radikalen Pluralität der Postmoderne, Christ zu sein, und was gehört ohne Wenn und Aber zum christlichen Glauben?» Um dem auf den Grund zu gehen, skizzierte der promovierte Theologe Roland Hardmeier vor rund 120 Gästen aus der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz zunächst pointiert die verschiedenen Ausprägungen des Christentums: das progressive Christentum mit einem liberalen und einem postevangelikalen Flügel sowie das konservative Christentum mit einem fundamentalistischen und einem klassisch evangelikalen Flügel. «Progressive sind der Welt grundsätzlich zugewandt und darum bemüht, Glaubensinhalte im Lichte der Zeit neu zu bedenken. Konservative sind eher weltabgewandt und darum bemüht, den Glauben in der Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist zu bewahren», beschrieb Hardmeier den grundlegenden Unterschied. Die beiden Pole in diesem breiten Spektrum bieten Sicherheit, haben aber ihren Preis. Der Fundamentalismus sei anfällig für einseitige Ansichten und Verschwörungstheorien. Der progressive Relativismus nehme einen Glaubensverlust in Kauf, um nicht in Clinch mit dem Zeitgeist zu geraten.

Kirche als Gegenkultur zum Individualismus

Wie es gelingen kann, zwischen den Klippen von Fundamentalismus und progressivem Relativismus einen Weg der Mitte zu finden, zeigte der Autor und Dozent Roland Hardmeier anhand von vier Aufgaben. Es sind dies das Vertrauen in die Bibel als Gottes Wort, das Festhalten an einem Grundbestand des Glaubens, das Ringen um die Wahrheit und die richtige Haltung in ethischen Fragen sowie ein erneuertes Verständnis von Kirche als Gemeinschaft und damit Gegenkultur zum Individualismus der Postmoderne.

Immer wieder schlug der fundierte Kenner der Allianz dabei die Brücke zu historischen Begebenheiten der 180-jährigen Bewegung der Evangelischen Allianz, um zu verdeutlichen: Sie ist gut aufgestellt, um den Weg der Mitte weiterzugehen. Auch wenn dieser Weg eine echte Herausforderung sei, sei er doch der Einzige, der sich in der Vergangenheit bewährt und der Zukunft hat. Dies könnte in der heutigen Zeit, in der relativistische Ansichten Teil der Mitte würden und zentrale Glaubensbestände sich auflösten, für die Allianz auch bedeuten, wieder klarer zu formulieren, was sie mit dem Evangelium meint. Denn schon bei ihrer Gründung habe die Evangelische Allianz keine diffuse Einheit beschworen, sondern sich auf eine theologische Basis geeinigt, die viele ein- und einige ausschloss. «Deshalb gibt es diese Einheit nach fast 200 Jahren immer noch», ist Roland Hardmeier überzeugt.

Einen ermutigenden Abschluss bildete der Verweis auf den Mittelweg zwischen Verweigerung und Anpassung, den die ersten Christen gegangen waren: «Trotz des massiven gesellschaftlichen Drucks hat die Urkirche das Bekenntnis zu Jesus nicht aufgegeben. In ihren Glaubensformen und der Art, wie Kirche gelebt wurde, waren die ersten Christen anpassungsfähig. In ihren Glaubensinhalten waren sie unverrückbar.»

Neuer Vorstand gewählt

In der anschliessenden Versammlung der SEA, des Deutschschweizer Zweigs der Evangelischen Allianz, gingen die Wiederwahl von Präsident Beat Ungricht und der beiden Vorstandsmitglieder Heike Breitenstein und Sultan Assawahri glatt über die Bühne. Ebenso diskussionslos und einstimmig wählten die anwesenden Delegierten Judith Dummermuth von der Heilsarmee und Daniel Rath vom Verband der Freien Evangelischen Gemeinden (FEG) neu in den Vorstand. Kati Rechsteiner und Peter Schneeberger wurden nach acht bzw. neun Jahren aus dem Vorstand verabschiedet. Finanziell hat sich die prekäre Situation der letzten Jahre etwas beruhigt. Da die Jahresrechnung 2025 mit einem Plus abschloss, konnte wieder eine kleine Reserve aufgebaut werden.

Weiter blickte das SEA-Team um die Co-Generalsekretäre Viviane Krucker-Baud und Andi Bachmann-Roth gemäss dem Jahresmotto 2025 «Gemeinsam unterwegs – mit Ihnen» auf vielfältige Begegnungen im letzten Jahr zurück. Diese brachten zum Ausdruck, dass für ein erfolgreiches Miteinander von Christinnen und Christen – dem Kernanliegen der Evangelischen Allianz – Begegnung, Beziehung und Dialog wesentlich sind.

Kontakte
Beat Ungricht
Präsident SEA
Tel. 078 717 88 27
bungricht@each.ch

Andi Bachmann-Roth
Co-Generalsekretär SEA
Tel. 043 344 72 05
abachmann-roth@each.ch

Daniela Baumann
Kommunikationsbeauftragte SEA
Tel. 043 366 60 82
dbaumann@each.ch  

Download
Medienmitteilung

Bestellung
Medienmitteilung abonnieren

Ich abonniere folgende «Info-Kanäle»:

Personalien