Nur 0,2 Prozent der Weltbevölkerung sind jüdische Menschen. Es gibt jedoch kaum eine andere Menschengruppe, die derart im Zentrum grosser Kontroversen steht. Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA hat nicht zuletzt aufgrund des wachsenden Antisemitismus entschieden, sich in einem kurzen Orientierungspapier zum Verhältnis von uns Christen mit jüdischen Menschen zu äussern.
In der Schweiz haben wir eine besondere Geschichte mit dem jüdischen Volk. Und als Christinnen und Christen sind wir seit jeher eng verwoben mit jüdischen Menschen. Unser beider Glaube wurzelt in denselben Schriften des Alten Testamentes und Politiker berufen sich gerne auf das gemeinsame jüdisch-christliche Erbe. Als abendländische Christen haben wir aber auch ein angespanntes Verhältnis zum Judentum. Im Laufe der Kirchengeschichte erwiesen sich Christen vorwiegend als Feinde der Juden – nicht selten «im Namen Jesu Christi» – und vergingen sich an ihnen. Das Orientierungspapier blickt daher auf unsere besondere Beziehung zu den Juden, schaut aber auch selbstkritisch auf die Irrwege der Theologie und ihre Folgen in der Kirchengeschichte.
Während Kirchen heute den Juden meist offen und interessiert gegenüberstehen, hat sich der Antisemitismus in der Gesellschaft seit dem Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023 massiv verstärkt. In der Schweiz sind die antisemitischen Vorfälle gegenüber 2022 um 287 Prozent gestiegen.(1) 2024 wurde mitten in Zürich ein orthodoxer Jude niedergestochen. In Frankreich und Deutschland ist die Entwicklung noch besorgniserregender. Viele Juden planen bereits die Auswanderung.(2) (3) Diese Ereignisse waren für die SEA mit ein Grund, warum sie sich gerade jetzt äussert, um dem erneut aufkeimenden Judenhass Paroli zu bieten. Der Fokus richtet sich dabei nicht auf die aktuellen und besorgniserregenden Geschehnisse im Nahen Osten, Gaza oder Israel, sondern generell auf unser Verhältnis zu jüdischen Menschen überall auf der Welt.
Ein Beitrag zu einem gelingenden Verhältnis
Im Orientierungspapier präsentiert die SEA Vorschläge, was wir als Christinnen und Christen zu einem heilsamen, gelingenden und differenzierten Verhältnis zu jüdischen Menschen beitragen können. Eine konkrete Möglichkeit, um die Verbundenheit mit jüdischen Menschen zu stärken, ist die Aktion «10 Tage Gebet für jüdische Menschen», welche bereits am 22. September startet.
Das Orientierungspapier basiert im Wesentlichen auf der Vorarbeit des Arbeitskreises Israel/Judentum/Nahost der Evangelischen Allianz Deutschland EAD aus dem Jahr 2025 und wurde von einer Schweizer Arbeitsgruppe überarbeitet und angepasst.
(1) https://swissjews.ch/de/services/praevention/antisemitismusbericht/
[2] https://www.nzz.ch/feuilleton/der-alltaegliche-terror-die-lage-der-franzoesischen-juden-ist-derart-bedrohlich-dass-immer-mehr-auswandern-ld.1899892
[3] https://report-antisemitism.de/bundesverband-rias/#publications