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Gedanken zur Jahreslosung von Andi Bachmann-Roth
In einer guten Story kommt das Beste zum Schluss. Wie zum Beispiel in der Bibel. Da legt der Autor auf den letzten Seiten ein fulminantes Finale hin: «Siehe, ich mache alles neu» (Offenbarung 21,5). Die Jahreslosung 2026 ist ein Text, der kaum unberührt lässt.
Kinder können sich stunden-, ja gar tagelang der Erschaffung von Fantasiewelten widmen. Mit Eifer bauen sie aus Sand oder Klötzen ihre eigene Welt. Doch auch früh machen Kinder die Erfahrung, dass Unachtsamkeit oder einfach ein Regenschauer die ganze Pracht über Nacht zerstören kann. Wir werden älter, doch die Erfahrung der Vergänglichkeit bleibt. Kennen Sie den Schmerz über den ersten Kratzer am neuen Auto, einen Fleck auf dem neu gekauften Kleid? Die einschneidende Erfahrung der Vergänglichkeit wird vom Autor des biblischen Buches «Prediger» ungeschönt umschrieben. Er schaut auf all seine Bemühungen und folgert: «Und ich wandte mich hin zu all meinen Werken, die meine Hände gemacht, und zu der Mühe, mit der ich mich abgemüht hatte. Und siehe, das alles war Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind.» (2,11)
Kinder können wir trösten, indem wir ihnen versprechen, dass die Sandburg wieder aufgebaut werden kann. Aber schon Kinder merken ebenfalls früh, dass es Dinge im Leben gibt, die nicht einfach «geflickt» werden können. Und so eignen wir uns als Erwachsene Strategien an, um mit der Vergänglichkeit der Welt zurecht zu kommen. Vielleicht kaufen wir so gerne neue Dinge ein, um unseren Schmerz über die Flüchtigkeit dieser Welt zu überdecken?
Das Buch der Offenbarung spricht nicht von einem neuen Lack, der über das Alte aufgetragen wird. Hier wird die neue Schöpfung Gottes umschrieben. Eine Realität in neuer, noch nie dagewesener Qualität. Würde ich dieses Versprechen «es wird alles neu» machen, wäre es bloss eine nette, etwas anmassende Redewendung. Ähnlich wie «Es kommt schon alles gut.» Der biblische Text ist aber viel mehr. Das Versprechen der Neuschöpfung hat seinen Grund in einem konkreten historischen Ereignis. Christinnen und Christen feiern es als Auferstehung. Jesus selbst hat durch seinen Tod und seine Auferstehung das Neue eingeläutet. Er selbst ist der «Erstling», der Prototyp des neuen, von Gott geschaffenen Lebens (vgl. 1. Korinther 15,20-23). Das umfassend Neue steht noch aus, doch es hat mit Jesus bereits begonnen. Und als durch Christus erneuerte Menschen sind auch wir eine Art Erstlingsfrucht und trotz allen Ecken und Kanten bereits jetzt Teil des Neuen (vgl. Jakobus 1,18).
Eines Tages wird Gott sein Werk der Neuschöpfung vollenden. Dann wird er die Welt vollständig ins Lot bringen. Alles Unfertige, Zerbrochene und Kaputte wird ganz. Das Verletzte wird heil, wenn Gott mitten unter uns Wohnung nimmt (vgl. Offenbarung 21,3). Neu wird auch unsere Gemeinschaft. Uns erwartet ein Miteinander ohne Tränen und Schmerz, ohne Streit und Krieg. Und so ist die Jahreslosung für uns als Allianzfamilie auch eine Ermutigung, bereits jetzt einen Vorgeschmack dieser neuen Gemeinschaft erlebbar zu machen, indem Menschen aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen gemeinsam Gott loben und ihm dienen (vgl. Offenbarung 7,9-10).