1916 traf eine massive Epidemie New York City. Sie forderte über 2000 Tote, vor allem Kinder. Während einige nur grippeähnliche Symptome aufwiesen, erlitten andere dauerhafte oder tödliche Lähmungen. Umgehend wurden alle Versammlungen verboten, öffentlichen Plätze geschlossen und Quarantäne verhängt. Dank zwei österreichischen Forschern war seit wenigen Jahren die Ursache für diese Tragödie bekannt: das Polio-Virus. Paradoxerweise hatte die verbesserte Hygiene dazu geführt, dass Kinder nicht mehr früh – im Babyalter – mit dem Virus in Kontakt kamen. Daher entwickelten sie keine Immunität. Bis es wirksame Therapien gab, dauerte es noch elf Jahre – und der Impfstoff kam sogar erst 1955.
Heute, über 100 Jahre später, ist die Lebenserwartung deutlich höher. Wir leben – zumindest in der Schweiz – so gesund wie nie zuvor. Und doch grassiert auch heute eine Gesundheitskrise. Im subjektiven Gesundheitsempfinden zeigt sich ein deutlicher Abwärtstrend. Mehr als ein Drittel der jungen Erwachsenen berichtet von schlechter psychischer Verfassung. Vor allem junge Menschen leiden an Depressionen, erscheinen nicht mehr in der Schule oder brauchen psychologische Unterstützung.
Wir kennen zwar einige Ursachen, doch dieses Mal wird kein Impfstoff Schutz bringen. In diesem «SEA Fokus» beleuchten wir die Gesundheitskrise unserer Zeit aus einer spezifisch christlichen Perspektive. Zu Wort kommen Betroffene, aber auch Expertinnen und Experten. Welche Ursachen erkennen sie? Inwiefern kann der christliche Glaube eine Ressource sein? Und welche Hilfe leisten Angebote von Kirchen und christlichen Institutionen?