Halbierungsinitiative – Schaden oder Nutzen?

Bild: Istock

Am 8. März stimmt die Bevölkerung in der Schweiz über die Halbierungsinitiative ab. Die Haushaltsabgabe für die SRG soll auf 200 Franken (aktuell 335.-) gesenkt und die Unternehmensabgabe gestrichen werden. Damit würde das Budget der SRG um 800 Millionen Franken gekürzt. Die Meinungen dazu sind gespalten und es findet ein engagierter Abstimmungskampf statt. Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA gibt keine Abstimmungsempfehlung ab. Verschiedene Akteure aus ihrem Umfeld stehen in aktiver Kooperation mit der SRG. Wir haben gefragt, was die Initiative für sie und ihre Arbeit bedeutet. 

Die SEA beteiligt sich seit vielen Jahren an der Produktion von Radiopredigten und Fernsehgottesdiensten der SRG. Als freikirchliche Vertretung im Team der Radiopredigerinnen und -prediger sieht Regula Knecht-Rüst seit zwei Jahren ab und zu hinter die Kulissen von SRF. «Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen der Religionsredaktion erlebe ich als kompetent und unkompliziert. Die Feedbacks im Prozess des Redigierens der Texte sind für mich hilf- und lehrreich. Ich bin nach wie vor begeistert über die Möglichkeit, Gottes Wort in das Zuhause der Hörerinnen und Hörer zu bringen.» 

Die SRG beschäftigt Journalistinnen und Journalisten in der Sparte «Gesellschaft und Religion», die unter anderem «Sternstunde Religion» produzieren. Als eines der wenigen Medienhäuser hat die SRG noch Fachspezialisten für religiöse Fragen. Daniela Baumann, Kommunikationsbeauftragte der SEA, sagt dazu: «Man spürt in der Zusammenarbeit diese fachliche Kompetenz – etwa in der im Vergleich zu anderen Medien differenzierteren Herangehensweise an und Einordnung von religiösen Themen. Wenn diese Spezialisierung den Einsparungen zum Opfer fallen sollte, weil immer weniger Journalisten immer mehr Themen abdecken müssen, wäre das ein grosser Qualitätsverlust. Und es ist anzunehmen, dass auch der Bereich Religion davon betroffen wäre.» 

ERF Medien und ALPHAVISION, welche die Sendung «Fenster zum Sonntag» realisieren, beteiligen sich gemäss ihren publizistischen Richtlinien nicht aktiv an Abstimmungskampagnen. «Fenster zum Sonntag» wird auf SRG-Kanälen ausgestrahlt; dabei wird die Produktion der Sendungen von Spenden und nicht von öffentlichen Gebührengeldern getragen. Die SRG stellt jedoch für «Fenster zum Sonntag» die entsprechenden Sendeplätze zur Verfügung. ERF Medien und ALPHAVISION sagen auf Anfrage: «Die Schweiz braucht ein stabiles und vielfältiges Schweizer Mediensystem und der mediale Service public der SRG sollte nicht geschwächt werden. Mit der SRG verbindet uns seit über 30 Jahren eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die wir sehr schätzen.» 

Berichterstattung zu religiösen Fragen erregt die Gemüter 

Die Berichterstattung über die Kirche erregt immer wieder die Gemüter. Aus Sicht der SEA ist dabei zu beachten, dass Stimmen aus dem Allianz-Netzwerk von der SRG wiederholt eingeladen wurden, ihre Stellungsnahmen zu präsentieren, beispielsweise zur «Ehe für alle». Wir nehmen auch dankbar zur Kenntnis, dass Christinnen und Christen und ihr Wirken in Kirche und Gesellschaft in SRG-Beiträgen konstruktiv und wohlwollend dargestellt werden. 

Insbesondere konservative Kirchen sind vereinzelt aber auch Gegenstand von kritischen Beiträgen der SRG. Es gehört aus Sicht der SEA zum Grundauftrag von Medien, Missstände aufzudecken. Kirchen sollten es begrüssen, wenn Grenzverletzungen im eigenen Kontext zur Sprache kommen. Wo jedoch Christen allein aufgrund ihrer Weltanschauung überkritisch dargestellt und problematisiert werden, ruft die SEA die SRG zur Neutralität und Zurückhaltung auf. Wir leben in einer pluralen Gesellschaft und der Wettstreit der Meinungen und Weltanschauungen sollte mit Respekt geführt werden. Auch wenn Medienschaffende zur Neutralität verpflichtet sind, berichten sie doch immer auch aus einer bestimmten Perspektive. Insofern erwartet die SEA, dass auch Medienschaffende ihre eigene Weltanschauung kritisch reflektieren und bei der Berichterstattung mitbedenken. Vorbildlich ist dabei die SRG-Ombudsstelle zu erwähnen, über welche auch Zuschauerinnen und Zuschauer niederschwellig Pflichtverletzungen beanstanden können. 

Eine politische Ermessensfrage 

Die SEA ermutigt, durch politische Beteiligung die Entwicklung unserer Gesellschaft aktiv mitzuprägen. In Ermessensfragen gilt für die SEA, was sie 2011 in einer Stellungnahme formuliert hat: «In politischen Ermessensfragen […] ist auch unter Christinnen und Christen eine grosse Bandbreite von verschiedenen Einschätzungen möglich. Im Bereich dieser Art politischer Geschäfte lohnt es sich, kritisch darüber nachzudenken, ob ein Anliegen sachlich und im Blick auf die Begrenztheit des Menschen bescheiden vertreten wird, ob es die Solidarität der Gemeinschaft fördert und ob es zu einem grösseren Freiraum führt.» 

 

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